ERDEN UND DÜNGER - Bonsai Centrum Hannover

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ERDEN UND DÜNGER

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Die Rolle der Erde und des Düngers bei der Bonsaianzucht und -pflege
Für Bonsaiinteressierte, die neugierig sind und keine Angst vor etwas ausführlicheren Erklärungen haben...

Der Zwergwuchs eines Bonsai beruht auf kürzeren Internodien (Blattabständen) und kleineren Blättern. Pflanzen passen sich den äußeren Gegebenheiten ihrer Umgebung - eben die Bonsaischale -an und trauen sich sozusagen gar nicht groß zu werden, weil Wurzelraum, Wasser-zufuhr und Nährstoffangebot konstant gering gehalten werden.
Dazu kommt das formende Schneiden, das aber gleichzeitig auch wachstumslenkend eingesetzt wird, indem die stark wachsenden Pflanzenteile - bei Bäumen die oberen ("Apikaldominanz"), bei Büschen die unteren (Basaldominanz) häufiger und früher geschnitten werden, um das Wachstum dort zu begrenzen und um mehr Kraft in die schwächeren, nicht oder weniger geschnittenen Baumteile zu lenken.

Bonsai gestalten heißt vor allem die Kraft der Pflanze verstehen und sinnvoll lenken.
Wir arbeiten also mit flachen Schalen, weil die das Wurzelwachstum nach unten und außen verhindern. Die Wurzeln sollen sich drängen - wie in einer Felsspalte. Außerdem trocknen flache Schalen schneller aus; und Trockenreize signalisieren dem Baum: bleib lieber klein, pass Dich an.

Ein vernünftiges Bonsaierdsubstrat ist extrem körnig, damit es ständig gut durchlüftet ist und bleibt und schnell wieder antrocknet. Es besteht in der Regel überwiegend aus stabilen, nicht so schnell zerkrümelnden mineralischen Granulaten. Z.B. sind das:
Akadama, ein japanisches, durch Trocknen und leichtes Erhitzen stabilisiertes Lehmgranulat (pH 6,5),
Kanuma,  ein leicht saures mineralisches Granulat (pH 5,5 bis 6) für Azaleen und Kamelien,
Lavagranulat oder Bimskies (neutral),
alle in Körnungen von ca. 2 bis 5mm, bei sehr tiefen Töpfen und besonders nässeempfindlichen Gehölzen sind auch Körnungen von 10 bis 20mm im unteren Bereich des Topfes zur Drainage verwendbar.
Da Akadama in wirklich dauerhaft harter Qualität nur noch unter echten Schwierigkeiten erhältlich ist (in Europa wird mittlerweile fast durchweg  minderwertiges Akadama als hochwertiges verkauft...) und nach dem Unglück im japanischen Fukushima manche Leute trotz der strengen Importkontrollen eine verständliche Angst vor Radioaktivität bei japanischen Substraten haben, ist der Verkauf dieser eigentlich großartigen (!) Substrate in Europa deutlich zurückgegangen.
Für meine eigene Bonsaisubstratmischung ála "BONSAI CENTRUM HANNOVER" verwende ich deshalb kein Akadama mehr, sondern mische eine eine alternative, lavabetonte, superformstabile, ebenfalls seit Jahrzehnten erfolgreich bewährte Hausmischung an.
Hierbei füge ich relativ geringe Mengen Weißtorf hinzu, der sehr gut Wasser und Nährstoffe speichert. Torf ist organisch, besteht aus abgestorbenen Pflanzenfasern und wird nach und nach zersetzt. Weißtorf ist teuer und selten, weil mikrobiell noch nicht so zersetzt und bleibt deutlich länger formstabil, wird also nicht so schnell matschig wie billiger Schwarztorf. Ich bin von meinem "Rezept" mit dem wenigen Weißtorf überzeugt, weil nach meinen langjährigen Erfahrungen unerfahrene Kunden mit dem Wasserbedarf der torfbetonteren Mischungen öfters Probleme haben, d.h., nässeempfindliche Gehölze zeigen darin häufiger Wurzelfäule. Nicht unwichtig dürfte es für ehrgeizige Gestalter sein, daß torfbetontere Mischungen nach meinen eigenen Erfahrungenlängere Internodien (Blattabstände) und größere Blätter  Ich verwende in den meisten Fällen also 3 Teile Lava, 1 Teil Zeolith (Klinoptilolith)und nur 1 Teil Weißtorfsubstrat. Die meisten Bonsaigehölze gedeihen auch sehr gut in 100% Akadama, das trocknet dann aber im Sommer so schnell aus (2 bis 3mal am Tag gießen!), daß das für Leute, die noch eine "Nebenbeschäftigung" neben der Bonsaipflege haben nicht in Frage kommt. Meine Bonsaierde bleibt durch den Torfanteil etwas länger feucht als Akadama, ist aber auch für viele Jahre formstabil und damit ausreichend durchlüftet. Die Farbe meiner Hausmischung wird deutlich heller, wenn sie etwas angetrocknet ist und verrät dadurch zuverlässig den richtigen Zeitpunkt zum Gießen. Deshalb verwende ich auch nicht - wie viele meiner Kollegen das tun - den cremefarbenen Bimskies, der zwar die Farbe des Substrates ganz angenehm zum Hellen abrundet, dadurch aber die einfache Erkennung des jeweiligen Feuchtigkeitsgrads durch die Farbe des Substrats wesentlich schwieriger macht. Anstelle des Bimskieses verwende ich nur rotbraune Lava und habe mit diesem billigen Naturprodukt beste Erfahrungen gemacht. Außerdem ist Lava schwerer und erhöht dadurch die Standfestigkeit von eventuell kopflastigen Bonsai, was draußen an wenig windgeschützten Standorten bei kräftigen Windböen von nicht unerheblicher Bedeutung ist. Zerbrochene Schalen und abgeknickte Zweige sind ärgerlich!

Ungeeignete "Bonsaierde"
Industriell gefertigte, sogenannte "Bonsaierde", wie sie in Gartencentern und Baumärkten angeboten wird, ist viel zu feinkörnig und enthält oft sogar richtig viel Staubbestandteile, sodass die darin getopften Pflanzen nicht richtig gegossen werden können, weil das Wasser abperlt (Gefahr des Trockenschadens!). Wenn so eine Mischung dann mal richtig nass ist – evtl. durch Tauchen - bleibt sie viel zu lange nass, was sogar schnell zu einer Wurzelfäule führt. Schlecht!
Ein gut belüfteter Wurzelballen, der immer rechtzeitig wieder gegossen wird, bietet perfekte Bedingungen für ein gesundes Wurzelwachstum.
Bonsaisubstrate sind neu immer praktisch düngerfrei, denn wir wollen ganzjährig selbst entscheiden, ob gerade gedüngt werden soll oder nicht. Körnige mineralische Substrate speichern auch nur sehr schlecht andere düngende Mineralien.

Richtige Düngung
In der Natur bestehen die Bodenbereiche, in denen sich Baumwurzeln befinden immer aus rein mineralischen Bestandteilen (Sand, Ton, Kies - nährstoffarm!). Der Dünger entsteht hier natürlicherweise durch organische Stoffe an der Erdoberfläche (pflanzlich oder tierisch), die bei der bakteriellen Zersetzung (Verdauung) langsam (das dauert je nach Temperatur 2  bis 10 Wochen)in Mineralien zersetzt werden und in den Boden gespült werden. Dort werden sie von den Wurzeln aufgenommen,  zum Teil aber auch von diversen Bodenpilzen (Mycorrhiza), die ihrerseits auf und in den Wurzeln der Bäume leben, diesen die Mineralien zuführen und dafür von den Fotosyntheseprodukten des Baumes zehren (echte Symbiose).

Genauso funktionieren organische Bonsaidünger. Sie bestehen aus diversen organischen Abfällen, z.B. Hornspänen, Blut- und Knochenmehl, Asche, Rapsschrot u.a. (Betriebsgeheimnisse). Sie sind so konzipiert, das sie langsam und gleichmäßig Mineralien abgeben, aber relativ stickstoffarm sind. Stickstoff ist ja, wenn reichlich vorhanden, für ein starkes Längenwachstum der Pflanzenteile verantwortlich. Neben Stickstoff geben Bonsaidünger, wie andere organische Dünger auch, Phosphor, Kali und zahlreiche Spurennährstoffe ab. Der weltweit meistgenutzte Bonsaidünger kommt aus Japan, heißt BIOGOLD (Trademark)und besteht aus bräunlichen, etwas kantigen Stücken (damit er nicht so leicht runterfallen kann). Er ist fast ganz organisch, enthält aber offenbar geringe mineralische Anteile, weil auch eine echte Sofortwirkung gut zu beobachten ist.
Die BIOGOLD-Formulierung ist N5,5%  P6,5%   K3,5%.
Dieser Dünger wirkt draußen, wo Regen schnell die Nährstoffe auswäscht, etwa 5-6 Wochen und wird einmal Ende April und einmal Mitte Juni eingesetzt, gern auch noch einmal Ende August. Im Zimmer kann die Wirkung bis zu 3 Monate betragen.

Falsche Düngung
Da organische Dünger teuer sind, bieten Billigvermarkter gern auch mineralische, flüssige "Bonsaidünger" an, die direkt aus gelösten Mineral-salzen bestehen. Sie wirken sofort, können aber bei Überdosierung oder wenn auf trockenes Granulat ausgebracht die Wurzeln verbrennen! Außerdem führt die übermäßige Verwendung mineralischer Dünger zu einer Versalzung des Bodens und zerstört auf Dauer große Teile der Mykorrhiza, und dann leben die Bonsai nicht nur gefährlich, sondern wachsen auch schlecht. Zahlreiche sogenannte Bonsaidünger auf mineralischer Basis haben dann auch noch - wohl weil sie eigentlich als Topfpflanzendünger entwickelt wurden - einen viel zu hohen Stickstoffanteil!








 
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